Die Norweger expor­tie­ren allein aus den Fjordlandschaften mehr als 40.000 Tonnen Fisch pro Jahr, vor allem Lachs – indus­tri­elle Fischfarmen machen dies möglich. Doch verschmut­zen dabei überschüs­si­ges Futter und Exkremente die Buchten, und unter den Netzkäfigen der Fische bildet sich übelrie­chen­der meter­di­cker Bakterienschlick. Biologen haben errech­net, dass eine Lachsfarm mit 200 000 Fischen genauso viel Dreck produ­ziert wie eine Stadt mit 20 000 Einwohnern. Deshalb entwi­ckeln Forscher neue Ideen, um die Zuchtfische vor Krankheitskeimen zu schüt­zen und um ihnen zudem zielge­nau Futter zukom­men lassen zu können.

Auf der karibi­schen Insel Puerto Rico entwi­ckelt Ingenieur Clifford Goudey freischwim­mende Kugelkäfige für Fische, die fast 30 Meter unter dem Meeresspiegel mit Ketten vertäut sind. Bojen markie­ren die Kugel-Käfige, die mit einem Durchmesser von zwanzig Metern mehr als 15 000 Fische fassen. Die Strömung spült dort die Exkremente und überschüs­si­ges Futter weg, das Wasser bleibt sauber. Der Ingenieur will seine Käfige demnächst motori­siert hinaus aufs Meer schicken. Der Antrieb soll sie bis in die großen Meeresströmungen steuern – von da an übernimmt der Ozean und trägt sie weiter.

Der ameri­ka­ni­sche Biologe Martin Schreibman wiederum will von seinem New Yorker Labor im Brooklyn University College die Missstände der Aquakultur revolu­tio­nie­ren. Seine Fische sind Vegetarier – ihr Futter besteht zu hundert Prozent aus Algen. Vor allem aber will er die Fischfarmen aus dem Meer heraus­ho­len – mit geschlos­se­nen Systemen, die man überall aufbauen kann, auch weit entfernt von den Küsten. Die Exkremente werden aus dem Wasser gefil­tert und als Dünger für die Algenzucht genutzt. Seine Idee: Die Meeresfische dort züchten, wo sie geges­sen werden – in der Stadt.

Der Meeresbiologe Bela Buck entwi­ckelte ebenfalls einen Plan für die Aquakultur der Zukunft – diesmal gekop­pelt an die Windkraft, mit Farmen weit vor der Küste, mindes­tens acht Seemeilen vom Land entfernt. Buck will vor den norddeut­schen Küsten die Windkrafträder nutzen, um daran Muscheln und Algen zu züchten. An Leinen siedeln sich Speisemuscheln ganz von selbst an. Doch das Ganze ist nicht ohne Risiken: Wenn alles gut wächst, beschwe­ren die Farmen die Wind-Anlagen um Tonnen – zu viel Gewicht könnte in der Nordsee fatale Folgen haben.

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2. Januar 2015

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